Tag 13: Bin ich ein willenloser organischer Roboter?

Die Frage danach, wer meinen Geist und Verstand, sowie meine Gedanken kontrolliert, manipuliert, programmiert, lässt mich nicht los. So wie es John C. Lilly in The Quiet Place erläutert, könnte „meine“ Gedanken tatsächlich von allen nur erdenklichen oder sogar nicht-erdenklichen Wesenheiten stamme oder durch unbekannte Prozesse programmiert werden. Und ich kann mir niemals über deren wahre Identität, noch deren Absichten sicher sein. Es ist unmöglich, hier genaues zu erfahren. Denn jede manipulierende Wesenheit könnte sich als das ausgeben, was es möchte. Zum Beispiel als ein verstorbener Verwandter, als Jesus, als Gott, als ein Engel oder aufgestiegener Meister, und als weiß ich nicht noch alles. Ich habe keine Möglichkeit dies als wahr oder falsch zu erkennen. Das ist einfach prinzipiell unmöglich.

Ich muss also mit dieser Unsicherheit leben.

Genauso wenig kann ich wissen, ob es ein höheres Selbst, einen universellen Geist, Gott, was auch immer, tatsächlich gibt. Das alles existiert (oder nicht) nur in meiner Vorstellung.

Ich muss deshalbe inzwischen selbst die eigenen Erfahrungen von früher, vor allem die außerköperlichen Erfahrungen und die mit ihenen verbundenen starken energetischen Wahrnehmungen in Zweifel ziehen, auch wenn ich sie nach wie vor gern als zweifelsfrei betrachten würde. Denn wenn mir die Farbe Grün konsistent vorgegaukelt wird, dann kann ja alles andere auch nur vorgegaukelt sein. Mein Verstand glaubt es, und zwar zweifelsfrei, obwohl es tatsächlich vielleicht gar nicht existiert. Das ist die ultimative Irreführung.

Es hilft also nichts, aber bei dieser Frage komme ich nicht weiter. Ich kann die Unmöglichkeit etwas wissen zu können akzeptieren, oder mich gleich eingraben lassen. Denn natürlich kommen hier sehr starke Zweifel darüber auf, ob ich nicht, wenn ich mich auf „meine“ Geist, Verstand, oder meine Gedanken verlasse, weil ich sie als authentisch und als „mein“, also als richtig vermute, einer totalen geistigen Irreführung unterliege, und deswegen, trotz bester Intention, fleissig am Untergang der Welt und/oder der Unterdrückung anderer mithelfe. Denkbar wäre das.

Ein solcher Gedanke kann, wenn ich darüber nachdenke, die reinste Verzweifelung auslösen. Tut er im Moment zwar nicht, aber er macht mich auf jeden Fall sehr nachdenklich. Denn ich kann nichts als authentisch und aus mir entstehend annehmen. Es könnte einfach alles Manipulation sein. Vom kleinsten Zweifel bis zur aboluten Überzeugung. Nichts kann als sicher (wahr) angenommen werden. Wenn nichts als wahr angenommen werden und als gesichert gelten kann, dann lebe ich in absoluter Unsicherheit. Das ist ein Fakt.

Hier nach einer Lösung zu suchen ist sinnlos. Denn es kann prinzipiell keine Geben.

Was kann ich also tun? Wie damit umgehen?

Ich kann nur mit dem Arbeiten, was da ist. Ich habe Gefühle, Gedanken, Impulse. Doch ich muss ihnen nicht folgen. Ich kann sie auch ablehnen. Der Gedanke etwas ablehnen zu müssen (ich muss aber nicht) könnte zwar ebenso eine Manipulation sein, aber er erlaubt mir zumindest, eine weitere Wahl zu treffen, auch wenn die vielleicht manipuliert ist. Aber wer lehnt schon seine „eigenen“ (?) Gefühle ab, weil er vermutet sie könnten gar nicht seine eigenen sein. Das hört sich ziemlich verrückt an. Aber ist es das?

Ich kann trotz allem entscheiden, mich nicht von solchen Fangfragen (Achtung: hier erfolgte gerade eine Wertung!) aus der Fassung bringen zu lassen, und stattdessen diese Ungewißheit annhemen und versuchen eigene moralische Grundsätze zu entwickeln und zu vertreten, die ich als sinnvoll, wichtig, und richtig erachte – selbst wenn auch dieser Versuch wiederum eine Manipulation sein könnte. Mehr kann ich aber nunmal nicht tun. Wissen kann ich letztendlich gar nichts.

Zumindest aber bin ich nicht mehr ein völlig willenloser Roboter, sondern ich kann bei jeder Entscheidung eine neue Option erwägen, nämlich die, meinen Gefühlen oder Gedanken nicht zu folgen. Und ich muss nun auch erkennen, daß ich schon seit den Ereignissen von vor 10 Jahren in nahezu jeder Entscheidung viel mehr Freiheiten habe, als in den Jahren zuvor. Dies macht die Entscheidungsfindung nicht gerade leichter, denn wenn man nicht mehr in eine Richtung vorprogrammiert ist und sich mehr Freiheitsgrade für Entscheidungen bieten, was soll man dann tun? Und genau das ist das Problem mit der Freiheit: wie können wir sie nutzen und leben? Sind wir überhaupt bereit für Freiheit? Mir fällt es sehr schwer, mit Freiheit umzugehen. Sehr schwer. Denn es gibt keine Handlungsbeschränkungen mehr und auch keine Leitlinien. Es ist auch niemand mehr da, dem man glauben könnte. Nicht einmal den eigenen Gedanken oder Gefühlen. Alles ist plötzlich in Frage gestellt.

Und wenn dazu noch die Frage auftaucht, ob all meine Gedanken vielleicht nur in mein Bewußtsein geschickt werden, und sie gar nicht meine eigenen sind, dann macht das die ganze Entscheidungsfindung noch schwieriger. Ich kann dann ja eigentlich gar keine eigene Entscheidung treffen, da ich nicht weiß, welche Gedanken nun meine eigenen sind, oder ob überhaupt auch nur ein einziger Gedanke jemals mein eigener war. Und wenn dem so ist, ich aber einer solchen Ungewißheit und Irreführung nicht mehr unterliegen möchte, dann dürfte ich solange eigentlich gar nichts tun, bis ich weiß, was von mir selber stammt und was nicht. Aber ich hatte ja gerade schon heraus gearbeitet, dass dies jemals in Gewißheit zu wissen prinzipiell ganz und gar unmöglich ist.

Genausogut könnte es natürlich sein, dass alles was ich denke, aus mir heraus entsteht und aus sonst nichts. Aber das kann ich eben weder wissen, noch wirklich glauben, schon gar nicht nach dem was vor 10 Jahren passierte, denn damals wurde ich in vieler Hinsicht manipuliert. Ich nahm vorher vieles unreflektiert von außen an, was mir während meiner Prägungsphase ein-indoktriniert worden war. Viele Verhaltensweisen gehören dazu, und viele Anischten. Einiges konnte „ich“ (?) ablegen, doch warum? War dies auch manipulation? Vielleicht wurde ich ja auch nur umprogrammiert, für einen Zweck, den ich nicht erkennen kann und von einer Macht, die ich auch nicht erkennen kann.

Was für eine Zwickmühle.

Ich glaube ich war an diesem Punkt früher schon einmal. Und damals gab ich einfach auf, weil ich nicht weiter wußte. Ich wollte dann einfach zurück in die Matrix, nichts mehr von solchen Gedanken wissen, raus aufs Meer mit seinen vielen Gefahren und Anforderungen, um diese unlösbaren und quälenden Fragen vergessen zu können.

Aber ich konnte sie nicht vergessen. Sie wurden sogar so stark, dass ich das Segeln wieder aufgab, um mich ihrer Klärung widmen zu können. Auch das könnte eine Manipulation gewesen sein. Aber auch wenn so eine Manipulation als eine sehr reale Möglichkeit existiert, so kann ich mich ihr doch nicht entziehen. Ich kann mich meinen Gedanken und Gefühlen nicht entziehen, auch dann nicht, wenn die Gefahr besteht, dass sie nicht die meinen sind und mich nur manipulieren.

Und warum kann ich mich nicht entziehen. Weil meine (?) Gedanken und Gefühle Macht über mich ausüben. Wenn ich fühle etwas ist nicht richtig, dann kann ich es nicht tun. Das wäre nur möglich, wenn ich wüßte das dies Gefühl eine Manipulation wäre. Aber das weiß ich nicht und so denke ich, dass es mein eigenes Gefühl ist und dass es richtig ist dem Gefühl zu folgen. Und eigentlich sehe ich hier jetzt gerade in den Gefühlen eine besonders große Gefahr zur Manipulation. Wer meine Gefühle kontrolliert, wie auch immer er das schafft, der kontrolliert auch meinen Geist.

Vielleicht ist die ganze Diskussion um mind-control einfach eine große Irreführung. Und tatsächlich geht es um Gefühlskontrolle. „Trust your Feelings“, sagte schon OBI-WAN in Star Wars. Und viele Esoteriker und Gurus von heute sagen das auch. Vielleicht ist das genau die Falle.

Aber was passierte vor 10 Jahren? Ich las etwas, und ich denke dass sogar bevor ich das gelesene begriff, diese starken emotionale Reaktion (das Kribbeln unter der Haut, die extrem tiefen Atemzüge, die Tränen, etc.) aufkamen. Und erst diese Gefühle und starken körperlichen Reaktionen auf das Gelesene verstärkten meinen Impuls, der Sache weiter nach zugehen. Sonst hätte mein Verstand vieles gleich als Unfug abgetan. Denn es entsprach ja alles überhaupt nicht meiner Prägung. Aber durch diese extremen körperlichen Reaktionen und starken Gefühle wurde ich getriggert, umzudenken. Ich wurde in eine andere Richtung gelenkt, also manipuliert. Das ist jetzt klar. Ich kann zwar annehmen, so wie bisher, dass es mein höheres Selbst war, was mich getriggert und manipuliert hat, aber ich weiß es nicht. Und woher dieses enormen körperlichen Reaktionen, bis hin zum Verlassen des Körpers kamen, das ist mir genauso unerklärlich wie der Ursprung meiner eigenen (?) Gedanken. Ich kann mich also weder auf meine Gefühle, noch auf meine Gedanken in Bezug auf einen angenommenen Ursprung in „mir“ verlassen. Vielleicht stammen sie nicht von mir, sondern ich werde nur durch sie geleitet und geführt, also manipuliert. Das ist sogar ganz offensichtlich so. Doch von wem und mit welchem Zweck werde ich manipuliert? Ich muss diese Frage beantworten. Ich muss einfach. Auch wenn es unmöglich ist.

Hier drängt sich jetzt gerade die Frage auf, ob es das Selbst, das Ich, eine eigenständige, mit freiem Willen und einer unabhängigen Seele ausgestattetem Wesen überhaupt gibt. Vielleicht sind wir nur organische Robots, die Befehle von Quellen ausführen, die wir nicht kennen. So wie z.B. diese Cyborg-Frau in Bladerunner. Oder die Agenten in der Matrix. Und wir denken wir sein Mr. Decker oder Neo. Dabei sind wir nur nichts-ahnende Sklaven, die überhaupt nicht wissen, was vor sich geht und wie sie ständig an der Nase herum geführt wrden indem sie denken, ihre Gedanken und Gefühle wären ihre eigenen und ihnen nicht eingepflanzt worden. Und vielleicht geht diese Manipulation sogar in der Nacht und im Traum weiter. Vielleicht ist sie allgegenwärtig.

Es ist leicht, solche Gedanken zu verdrängen und sich lieber zu amüsieren oder noch besser zu besaufen, damit derartige Gedanken uns nicht weiter quälen. Aber das hilft ja nur vorübergehend. Denn irgenwann wird man ja wieder nüchtern, irgendwann ist der Sturm auf See vorüber, und dann sind die Gedanken und Gefühle wieder da. Nur diesmal noch stärker, weil wir sie ja so lange beiseite geschoben haben. Und beiseite schieben will ich nichts mehr. Ich will es anschauen. Ich will es wissen. Und zwar auch dann, wenn auch diese Wünsche alle nur wieder Manipulation sein sollten. Der Drang anzuschauen, nach zu forschen ist groß. Ich spüre ihn. Aber ich kenne seinen Ursprung nicht. Und das macht mich fast wahnsinnig. Bin ich denn wirklich nur eine Marionette, ein biologischer Roboter? Es scheint so. Ich sehe keinen Grund für eine andere Annahme. Keinen einzigen.

  • Ich erkenne dass ich es akzeptiert und erlaubt habe zu glauben, dass meine Gedanken und Gefühle meine eigenen sind, obwohl ich dies gar nicht wirklich wissen kann.
  • Ich erkenne dass ich es akzeptiert und erlaubt habe meinen Gedanken und Gefühlen nicht mehr zu trauen, weil ich ihnen Ursprung nicht identifizieren kann.
  • Ich erkenne dass ich es akzeptiert und erlaubt habe mich als den Schöpfer meiner Gedanken und Gefühle zu sehen, obwohl ich genau weiß, das meine Gedanken genauso unkontrolliert und spontan „erscheinen“, wie ein von aussen durch ein Ereignis angestoßenes Gefühl.
  • Ich erkenne dass ich es akzeptiert und erlaubt habe zu glauben ich sei in Kontrolle über meine Gedanken und Gefühle obwohl ganz offensichtlich ist, dass ich es nicht bin.
  • Ich erkenne dass ich es akzeptiert und erlaubt habe mich selber zu täuschen, um die Wahrheit über den Ursprung meiner Gedanken und Gefühle nicht näher erforschen zu müssen. 
  • Ich erkenne dass ich es akzeptiert und erlaubt habe solche Gedanken an Gefühls- und Gedankenmanipulation durch allerlei irrwitzige Aktivitäten zu verdrängen, um diesen schwierigen Fragen nicht auf den Grund gehen zu müssen.
  • Ich erkenne dass ich es akzeptiert und erlaubt habe die Wahrheit, dass ich ich nichts über den Ursprung meiner Gedanken und Gefühle weiß, erfolgreich zu verdrängen.
  • Ich verfplichte mich, den Ursprung meiner Gedanken und Gefühle zu ergründen.
  • Ich verplichte mich, mich nicht mehr intuitiv oder spontan meine Gedanken oder Gefühlen zu fügen, sondern mein Handeln auf eine moralische Grundlage zu stellen, die ich selber aus mir heraus für mich entwickele und die unabhängig von Prägungen, Gedanken und Gefühlen ist und nur das Beste für die Welt und alle auf ihr in Betracht zieht.

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