Tag 9: Über ein absterbendes Ego und die lähmende Leere und Orientierungslosigkeit, die es hinterlässt.

Nach einigen Wochen der Reise im Wohnmobil mit den Kindern bin ich bei C. nun für die nächsten Wochen wieder stationär und kann mich mit den Dingen beschäftigen, die mir am Herzen liegen. Dazu gehört vor allem eine Neuorientierung und Neuausrichtung in meinem Leben. Wohin soll meine Reise in Zukunft gehen? Was will ich tun, womit mich beschätigen? Will ich mir tatsächlich irgendwo ein Selbstversorger-Grundstück in der Natur kaufen und dort abseits der Zivilisation meinen eher geistigen Interessen und meiner spirituellen Entwicklung nachgehen? Oder soll ich mich lieber irgendeiner spirituellen Gemeinschaft anschliessen und mich dort einbringen? Oder vielleicht einfach nur irgendwo in einer ruhigen Umgebung in der mich niemand kennt ein Zimmer mieten? Und soll das in Europa oder Zentralamerika sein? Und was würde ich dort genau tun? Mich welchen Themen würde ich mich beschäftigen? Was ist wichtig in meinem Leben, was ist richtig (ist es das selbe)? Wofür möchte ich meine Energie, meine Zeit und meine Resourcen einsetzen?

Diese Fragen beschäftigen mich seit geraumer Zeit sehr. Doch jedesmal wenn ich mir Zeit und Muße nehme um in mich zu gehen und eine Antwort zu finden, dann sinke ich einfach nur in tiefe Depressionen. Es gibt so viele Dinge, die ich tun sollte, weil sie meiner Ansicht nach “richtig” wären.

Hier haben mich kürzlich vor allem die Vorträge von Mark Passio (whatonearthishappening.com) auf ein wichtiges Thema aufmerksam gemacht. Mark macht in seinen Ausführunge deutlich, dass wir in einem selbstgemachten Gefängnis leben, weil wir andere Menschen bestehlen, indem wir ihnen entweder den freien Willen oder ihr Eigentum rauben (oder beides) und sie durch unser Denken in unserem Sinne zu beeinflussen versuchen. Das ist moralisch nicht richtig und führt dazu, dass wir als Menschheit und als Individuum die Konsequenzen dieses Verhaltens nun immer deutlicher zu spüren bekommen. Denn so wie wir andere Menschen durch unser zugegebenermaßen oft unbewußtes Verhalten wissentlich oder unwissentlich berauben (diesen Gedanken verdrängen wir gerne), so werden wir nun durch das System unserer Freiheit und unseres Eigentums beraubt.

Der Ausweg liegt vor allem in der Erkenntnis dessen was ist – also wie wir andere Menschen und die Umwelt insgesamt durch unser Verhalten ausbeuten und dass wir dabei nicht selbst-ehrlich und eigenverantworlich handeln – sowie in einem veränderten, eigen-verantwortlicheren persönlichen Umgang mit unseren Mitmenschen (keine ungewollte Beeinflussung der Gedanken anderer um unser Ego und unsere Wünsche befriedigen zu können, kein Raub am Eigentum durch Profitgier oder anderweitige Ausbeutung, etc.). Gleichzeitig dürfen wir diese Ausbeutung dort wo wir sie selber erfahren nicht mehr hinnehmen und müssen uns gegen alles was moralisch falsch ist erwehren. Denn nur so nehmen wir die Verantwortung für unsere Erkenntniss auch wirklich an. Hier bedeutet Schweigen das gleiche wie unverantwortliches Verhalten, welches gleichzusetzen ist mit Feigheit und der daraus resultierenden weiteren Unterstützung unserer eigenen Versklavung.

Natürlich ist es nicht immer einfach, solchen Wahrheiten ins Auge zu sehen. Noch schwieriger ist es, sein Verhalten dem entsprechend zu verändern und dieser Erkenntnis im täglichen Leben in seinen eigenen Handlungen auch gegenüber zu treten. Aber ich erkenne, daß dies ein absolut notwendiger Schritt für mich ist, wenn ich im eigenen Leben und auch innerhalb der menschlichen Gemeinschaft eine nachhaltige positive Veränderung bewirken möchte. Und das möchte ich. Ich erkenne das immer wieder. Denn die Lebensumstände in denen wir uns insgesamt hier auf der Erde befinden, mit all der Umweltzerstörung, der behördlichen Willkür, den alltäglichlichen Einschränkungen unserer persönlichen Freiheit durch Regeln, Verordnungen und Gesetze, sind für mich Grund genug eine Veränderung zu suchen. Mir ist klar, dass diese Veränderung aus mir heraus stattfinden muss und auf einem veränderten Verhalten meinerseits basiert.

Nachdem sich diese Erkenntnis mehr und mehr in mir festigt suche ich händeringend nach Lösungen zur Umsetzung dieser Erkenntnis. Also nach einem Weg mein Verhalten so zu verändern, dass es nicht mehr ausbeuterisch, manipulativ, oder anderswie unmoralisch ist. Doch wie soll das geschehen? Sind meine moralischen Grundsätze klar genug für mich, um sie im täglichen Wirken und Handeln zumsetzen zu können? Welche unverrückbaren moralischen Grundsätze habe ich überhaupt? Inwiefern sind sie mit der Realität im Einklang? Habe ich genug Kraft und Energie um gegen die allgemeine Ignoranz anzugehen und die Themen aufzuwerfen, die mir wichtig sind, und zu dem Stellung zu nehmen, was ich als moralisch richtig erachte? Wie und wo kann ich damit beginnen? All dies sind ungelöste Fragen, auf die mein Verstand und mein Ego, trotz intensivster Bemühungen, keine vorgefertigten Antworten finden. Und das frustriert und deprimiert mich.

Während diese Frustration und Depression sich in mir ausbreiten verfalle ich in Lethargie. Plötzlich scheint alles das, was eben noch wo wichtig und richtig erschien, sinnlos und nutzlos. Meine Gedanken führen nirgendwo hin, außer in weitere Frustration und Depression. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll oder auch nur tun könnte, um diesen Zustand zu beenden. Eine lähemnde Leere breitet sich in mir aus. Ich schaffe es nicht mich aufzuraffen, über die mir wichtigen Themen mehr zu lernen oder über das was ich glaube bereits verstanden zu habe öffentlich oder auch nur privat zu schreiben. Alle Versuche in dieser Richtung verlaufen schnell im Sande, da ich weder eine thematische Ausrichtung für mich finden kann, der ich nachgehen kann (über was will/soll ich eigentlich schreiben), noch meine Gedanken in eine Form bringen kann, über die ich diese Gedanken und Zusammehänge anderen klar vermitteln kann. Denn ich finde durch den Verstand keine Klarheit und verliere mich in Frustration, Depression und letzlich Lethargie. Dann tue ich überhaupt nichts mehr, gehe auch nicht raus in die Natur, lese nichts mehr, spreche nicht, denke nicht, weil auf einmal alles sinnlos erscheint und es doch eh zu nichts führt. Ich fühle mich dann sehr verloren in dieser Welt und ziehe mich vollkommen zurück. Eine lähmende Leere umfasst mich, weil das Ego keine Macht mehr hat und die Intuition noch nicht stark genug erwacht ist

Und in dieser zurück gezogenen Phase, in der ich keine neuen Informationen und auch keinen neuen Impulse irgendeiner Art mehr von der Außenwelt aufnehmen kann fühle ich nur noch diese lähmende Leere und vollkommene Sinnlosigkeit. Doch ich halte sie aus, wehre mich nicht dagegen, und warte auf ihre Lehre. Ich lasse mich nicht in Ablenkungen irgendeiner Art abdriften, wie z.B. Filme anzuschauen, mich zu betrinken, smalltalk oder sexuelle Ablenkung zu suchen, oder mich sonstigen Genüßen hinzugeben, nur um mich von dieser inneren Leere abzulenken. Ich verharre aus freiem Willen in meiner Lethargie und warte auf Einsicht und Erkenntnis. Und dann, nach einiger Zeit (einigen Stunden oder manchmal auch mehreren Tagen), passiert etwas. Ich fange plötzlich einfach an meine Gedanken nieder zu schreiben. So wie jetzt hier. Und dieses Schreiben bringt eine wesentliche Veränderung mit sich. Das Schreiben entsteht aus mir heraus. Sozusagen ganz von allein, intuitiv, ohne vorgefasstes Ziel, ohne Plan, ohne Ego-Beteiligung. Die Gedanken kommen und finden ihren Weg über die Tastatur aufs Papier. Und je mehr ich Schreibe, um so mehr Klarheit kommt in meine Gedanken. Es ist fast so, als würde meine Feder durch einen unbewußten oder unterbewußten Anteil von mir (?) geführt um mir letztendlich über den dann vorliegenden Text zu zeigen, wo ich gerade stehe. Das ist eine sehr tiefgreifende und berührende Erfahrung. Sie ist weitgehend (völlig?) frei vom Ego und von den Vorstellungen darüber was ich schreiben “sollte”, damit andere es lesen können und meine Gedanken verstehen. Es geht nicht darum, meine Gedanken für andere auzubereiten, sondern darum, sie einfach nieder zu schreiben. Das daraus dann ganz wie von selbst größere Klarheit für mich entsteht, ist nicht die Intention, sondern ein fast wundersamer und äußerst praktischer Nebeneffekt der fast sofort dazu führt, dass sich sowohl meine Lethargie wie auch meine Depression und Frustration ins Nichts auflösen und Raum machen für ein Gefühl großer Euphorie und Zufriedenheit.

Plötzlich erkenne ich, dass die bisherige Frustration und Depression vor allem von und durch den Ego/Mind hervogerufen und dann durch ihn gefördert wurden. Immer dann, wenn ich mir ein Ziel vornehme, weil ich z.B. durch die Worte und Ideen anderer Menschen inspiriert wurde und es ihnen gleich tun will, laufe ich sofort vor die Wand. Der Versuch es ihnen gleich zu tun, ihre Themen aufzunehmen und meine Erkenntnisse in die Welt hinaus zu tragen, endet fast jedesmal (manchmal früher, manchmal später) in großer Frustration. Ich schaffe es nicht, anderen zu folgen, auch wenn ihre Ideen und Konzepte mich total zu inspirieren scheinen und ich ihnen großen Wert beimesse. Doch diesen Wert misst mein Ego diesen Ideen und Gedanken bei. Und zwar weil ich über ein halbes Jahrhundert solche und ähnliche Gedanken von meiner Umwelt ungefiltert angenommen habe. Und nun merke ich immer deutlich und schneller, daß mein Ego mich hierbei einfach nicht mehr sinnvoll leiten kann und ich stattdessen auf meine innere Stimme hören und ganz spontan das tun muss, was sich von alleine, also intuitiv, einstellt. Wie z.B. Texte wie diesen hier zu verfassen ohne zu wissen, ob und wie er anderen helfen könnte oder auch nur anzunehme, dass er irgendeinen höheren Sinn hat, vielleicht noch nicht einmal für mich selber. Trotzdem schreibe ich und muss ich schreiben. Es ist ein innerer Impuls und Drang, den ich weder übergehen noch länger ignorieren oder gar ganz ablegen kann. Ich muss immer wieder Schreiben, ohne zwar ohne einen Gedanken an den Nutzen zu haben oder finden zu können. Und manchmal, wenn ich fühle das der Text authentisch ist und meiner derzeitigen Erkenntnis voll entspricht, dann veröffentliche ihn auch gern. Denn ich stehe voll dahinter. Und das genügt mir als Rechtfertigung und auch als Leitfaden zur Handlung.

  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe Selbstvergebungs-Aussagen wie diese hier zu treffen, obwohl ich mich gar nicht so schuldig fühle, dass ich mir für irgend etwas vergeben müsste.
  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe solche Selbstvergebungs-Aussagen bisher in meine blog aufzunehmen, nur weil es die Destonier so tun und ich mich zugehörig zu dieser Gruppe fühlen kann, wenn ich das Gleiche tue.
  • Ich verpflichte mich, Selbstvergebungs-Aussagen nur noch dann aufzunehmen, wenn auch wirklich innerlich spüre, dass sie wichtig sind.
  • Ich verpflichte mich weiterhin mit Verpflichtungs-Aussagen zu arbeiten, da diese mir eine sinnvolle Richtung weisen und eine Ausrichtung für mein zukünftiges Handeln geben können.
  • Ich verpflichte mich, mich nicht mehr vom Ego/Mind leiten zu lassen und erst nach “guten Gründen” für meine Aktivitäten zu suchen, bevor ich überhaupt aktiv werde. Vielmehr werde ich solche Gedanken ignorieren sobald sie auftauchen, weil ich erkannt habe, dass sie mich von richtigem Verhalten abhalten und mich in Lethargie, Frustration und Depression führen.
  • Ich verpflichte mich, meine Klarheit und meinen Lebenssinn nicht mehr im Verstand zu suchen, sondern meiner Intution zu folgen, auch wenn ich nicht weiß woher sie stammt oder wohin sie mich führt.
  • Ich verpflichte mich, mich nicht mehr von den Ideen und Konzepten anderer vereinnahmen zu lassen und sie unreflektiert weiter zu geben. Anstelle dessen werde ich das Gelesene und Gelernt, sofern es in mir resoniert, zunächst sacken lassen und dann meiner Intuition erlauben damit in der Form umzugehen, wie es für mich richtig und authentisch erscheint.
  • Ich verpflichte mich authentisch zu bleiben in all meinem Handeln und in allen Interaktionen mit meiner Umwelt und genau hinzuschauen wieso und warum ich in unter bestimmten Bedinungen nicht authentisch bleiben kann, sobald solche Situationen auftauchen.

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